Bewusstsein

Denken wie ein Shaolin

24 Dez 2020 Bernhard

Lernen von den Shaolin-Mönchen

Sie haben kurzgeschorene Haare, tragen einfärbig orange Gewänder und sammeln weder Reichtümer noch äußerliche Statussymbole. Dennoch sind die Kampfmönche von Shaolin heute weltberühmt. Seit der Gründung des Klosters vor mehr als 1500 Jahren wurde ihnen oft mehr Achtung entgegengebracht als so manchem Kaiser. Aber wie ist so etwas möglich?

Die Höhle von Song Shan

Als der indische Mönch Bodhidharma im Jahr 495 eine kleine Höhle in Chinas Song Shan Bergen bezog, hätte er wohl kaum gedacht, dass dieser Ort einmal zu Weltruhm gelangen würde. Dabei hatte der erste Patriarch des Klosters Shaolin, der in neunjähriger, unbewegter Meditation zur Erleuchtung gelangt war, höchstpersönlich den Grundstein dafür gelegt. Er lehrte die Mönche, wie sie das zum Schweigen bringen konnten, was er selbst als die größten Hemmnisse für jedweden Erfolg ansah: Den urteilenden Verstand, die Selbstzweifel und die unerfüllten Erwartungen. Lernt, so predigte er seinen Schülern, dass auch das sein kann, was nicht sein darf. Denn vieles ist verboten oder scheint unmöglich. Dennoch kommt es vor, dass es passiert. So erwartet ein achtsamer Kämpfer von seinem Gegner weder das Schlechteste noch das Beste. Er erwartet vielmehr gar nichts und ist in jedem Augenblick bereit, den anderen so anzunehmen, wie er gerade ist.

Alle Kraft, so lehrte Bodhidharma weiter, kommt von innen. Weder gibt es die Möglichkeit, einem anderen Kraft zu geben, noch bist du fähig, ihm welche zu nehmen.

Selbst dann nicht, wenn er sich mit ihr schadet. Ob du selbst dich blockierst oder weiterbringst, ob du gewinnst oder verlierst, ob du zweifelst oder überzeugt bist: die Energie, die dich zu dem macht, der du bist, wohnt in dir. Und nur dort kannst du sie auch kontrollieren. Fühlst du dich schwach, so wird auch dein Gegner dich als schwach fühlen. Fühlst du dich aber stark, so wird auch dein Gegner dich als stark fühlen und plötzlich wirst du viele Kämpfe beenden, bevor sie begonnen haben.

Ohne Erwartungen

Nur wer sich selbst genügt, so sagt man in Shaolin, handelt frei von Erwartungen. Denn wer nach Lob giert, der tut alles, nur um der Mitwelt zu gefallen. Er handelt nicht so, wie er selbst es für gut hält, sondern auf jene Art, mit der er den meisten Eindruck zu schinden vermeint. Erwartungslosigkeit bedeutet, etwas zu tun, ohne dafür etwas anderes zu erwarten. Denn einem Gegner Gutes zu tun, in der Hoffnung, selbst Gutes zurück zubekommen, heißt, sich angreifbar zu machen. Was nämlich, wenn unser Gegenüber den Plan durchschaut und unsere Erwartungen bewusst enttäuscht? Dann, so weiß man in Shaolin, bestimmen nicht wir, sondern unser Gegner über unsere Gefühle. Und dieser beeinflusst darüber unser Denken, unser Handeln und am Ende unsere Chance auf Erfolg.

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Bernhard Moestl

macht seit vielen Jahren als mehrfacher Bestseller-Autor und international gebuchter Vortragsredner das Jahrtausende alte Wissen Asiens für den westlichen Erfolg nutzbar.

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