Symbolbild

Der kaiserliche Schrank

17 Dez 2021von Bernhard1 min

Einmal wurde ein Zen-Mönch vom Kaiser beauftragt, einen Schrank herzustellen. Der Mönch sagte dem Kaiser, dass er während fünf Tagen nicht in der Lage sein werde, zu arbeiten. Tatsächlich sahen die kaiserlichen Spione, dass der Mönch die ganze Zeit da sass und anscheinend nichts tat. Doch als die fünf Tage vorbei waren stand der Mönch auf und fertigte innerhalb dreier Tage den außergewöhnlichsten Schrank, den je jemand gesehen hatte. Der Kaiser war neugierig und ließ den Mönch zu sich kommen um ihn zu fragen, was er während der fünf Tage vor dem Beginn seiner Arbeit gemacht hatte.

Der Mönch antwortete: »Den ganzen ersten Tag verbrachte ich damit, jeden Gedanken an Versagen, an Furcht, an Bestrafung, falls meine Arbeit dem Kaiser missfallen sollte, loszulassen. Den ganzen zweiten Tag verbrachte ich damit, jeden Gedanken an Unangemessenheit und jeden Glauben, dass mir die Fertigkeiten fehlen würden, einen dem Kaiser würdigen Schrank zu fertigen, loszulassen. Den ganzen dritten Tag verbrachte ich damit, jede Hoffnung und jedes Verlangen nach Ruhm, Glanz und Belohnung, falls ich einen Schrank fertigen sollte, der dem Kaiser gefallen würde, loszulassen. Den ganzen vierten Tag verbrachte ich damit, den Stolz, der in mir wachsen könnte, falls ich in meiner Arbeit erfolgreich sein sollte und das Lob des Kaisers empfangen würde, loszulassen. Und den ganzen fünften Tag verbrachte ich damit, im Geist die klare Vorstellung dieses Schrankes zu betrachten, in der Gewissheit, dass sogar ein Kaiser ihn sich wünschte, so wie er jetzt vor Euch steht.«

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