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Der König und der Bettler

29 Nov 2021von Bernhard2 min

Eines Tages begegnete ein König einem Bettler. Er wollte diesem gerade eine Münze  zuwerfen, doch der Bettler wehrte ab: »Ich nehme dein Almosen nur an, wenn es dir gelingt, meinen Bettelnapf bis zum Rand zu füllen.« Der König glaubte, sich verhört zu haben. Der Bettelnapf war klein. Wollte sich der Bettler über ihn lustig machen? »Warum glaubst du, dass ich deinen dreckigen Napf nicht voll kriege!« fragte er. »Ich bin doch kein Bettler wie du!« Der Bettler lächelte und sagte: »Es ist besser, wenn ich dich warne, bevor du vielleicht Probleme bekommst.« Was zum Teufel bildete sich dieser Bettler ein? Der König war neugierig und wütend zugleich. Er befahl seinem Wesir: »Mach den Napf voll!« Dieser eilte in den Palast, kehrte mit einer Tasche voller Edelsteine zurück und warf sie in den Bettelnapf.  Da passierte etwas merkwürdiges: Die Edelsteine verschwanden in dem Bettelnapf so schnell, wie der Wesir sie hinein warf! „Weiter!“ rief der König. »Mehr!« Er war außer sich. Auf keinen Fall wollte er dem Bettler einen Triumph gönnen. Der Wesir eilte und holte mehr Edelsteine. Aber auch sie verschwanden in dem Napf. Jetzt verlor der König den Verstand. Er war bereit, sein ganzes Reich aufs Spiel zu setzen. Der Bettler durfte nicht gewinnen! »Mehr!« schrie er. Und der Wesir brachte Edelsteine bis die Schatzkammer leer war. So verschwanden das ganze Vermögen des Königs und auch der Staatsschatz in dem kleinen Napf. Am Ende war der König so arm wie der Bettler. Endlich kam er zur Vernunft. Er verbeugte sich vor dem Bettler. »Ich habe dich beleidigt«, sagte er. »Bitte vergib mir. Doch bevor du gehst, verrate mir das Geheimnis deines Bettelnapfes. Wie kommt es, dass alle meine Schätze in ihm verschwunden sind?« Der Bettler lachte und sagte: »Das ist ganz einfach. Ich habe den Napf aus dem gleichen Stoff gemacht, aus dem das menschliche Ego ist. Das Ego kann nie genug kriegen. Was immer du ihm gibst – es verschwindet. Das Ego ist nie erfüllt.«

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