Im Gespräch : Münchner AZ

Im Gespräch : Münchner AZ

19 Dez 2021von Bernhard4 min

Bernhard Moestl ist Autor des Buches »Der Traum vom unangepassten Leben.« Darin gibt er zahlreiche Tipps, wie wir unsere Träume verwirklichen. Auch dann, wenn sie eigenwillig sind. (Fragen: Doris Iding)

AZ: Haben Sie Ihren Traum vom unangepassten Leben verwirklicht?

BM: Ja, das habe ich. Zumindest in den letzten dreißig Jahren, seit ich erwachsen und damit selbst für mein Leben verantwortlich bin. Auch wenn das jetzt viel mutiger klingt, als es wahrscheinlich ist. Denn am Ende hatte ich nur wenig Wahl. Niemals hätte ich nämlich den Mut gehabt, ein Leben zu leben, dass ich irgendwann bereuen könnte. Schon als Kind habe ich das Leben als ein großes Abenteuer gesehen und so ist es bis heute geblieben. Natürlich bin ich immer wieder Menschen begegnet, die mir erklären wollten, wie alles abzulaufen hat. Nachdem ich sie dann aber gefragt habe, ob sie auch die Verantwortung dafür übernehmen, dass ich glücklich bin, war meist sehr schnell wieder Ruhe. So habe ich relativ rasch begriffen, dass ein angepasstes und ein glückliches Leben zwei sehr verschiedene Dinge sind und mich für das zweite entschieden.

AZ: Sie sind als Fotograf, Coach und Bestsellerautor tätig. Mit welchen Wünschen kommen Menschen zu Ihnen? Sollen Sie ihnen dabei helfen, Träume zu verwirklichen?

BM: Ich denke, die meisten Menschen wollen vor allem eine Bestätigung dafür, dass es jedem von uns möglich ist, seine Träume auch zu leben wenn er es nur wirklich will. Denn so viele mich beispielsweise in der Theorie um meine Art zu leben beneiden, so wenige würden es in der Praxis auch tatsächlich tun wollen. Für mich sind diese Träume wie Geld, denn sie geben uns zugleich ein Gefühl der Sicherheit und der Freiheit. Wir sind glücklich solange wir wissen, dass wir sie irgendwann verwirklichen können, ohne dass wir uns aber gezwungen zu fühlen, es auch zu tun. Manche wünschen sich aber auch umgekehrt die Bestätigung, dass sie in einer von Optimierungswahn getriebenen Welt ihr Leben einfach so weiter leben dürfen, wie sie bis es jetzt getan haben.

AZ: Woran scheitern die meisten Menschen, wenn es darum geht, sich selbst zu verwirklichen?

BM: An der nicht immer unberechtigten Angst, von ihrem Umfeld verspottet zu werden, wenn es am Ende nicht gelingt. Sie fürchten sich davor am Ende allein dazustehen weil ja jeder schon vorher gewusst hat, dass das alles nichts werden kann. Gerade in Westeuropa habe ich oft das Gefühl, dass viele von uns jene scheitern sehen wollen, die es wagen, aus den vorgegebenen Standards  auszubrechen. Dazu kommt, dass wir als die Herdentiere, die wir Menschen nun einmal sind, von klein an mit der Idee aufwachsen, erst einmal allen anderen zu gefallen, bevor wir an uns selbst denken. Wie oft habe ich gehört: „Stell dir nur einmal vor, das würden alle so machen!“ Zu meinem Glück habe ich recht schnell erkannt, dass diese Aussage einfach Unsinn ist, schon allein deshalb, weil es eben nicht alle so tun. Den meisten anderen bleibt sie aber als hinderliches Dogma im Kopf.

AZ: Kann es manchmal auch mehrere Anläufe brauchen, bis man sein eigenes Leben lebt? Welche Erfahrung haben Sie gemacht?

BM:  Ohne hier Wortklauberei betreiben zu wollen müssen wir uns zuerst einmal die Frage stellen, was wir unter unserem eigenen Leben eigentlich verstehen. Leben wir denn tatsächlich irgendwann das Leben eines anderen? Diese Unterscheidung scheint mir schon deshalb wichtig, weil wir doch in jeder einzelnen Sekunde nicht nur die Entscheidung über Tun haben sondern auch die Verantwortung für diese Entscheidung. Zumindest in Europa kann niemand uns einen Lebensstil aufzwingen, der uns nicht passt. Für den entscheiden wir uns schon selbst. Doch zu Ihrer eigentlichen Frage. Meine Erfahrung ist, dass unsere Vorstellungen von einem guten Leben kein fixes Ziel sind, das man einmal erreicht um dann für immer dort zu verharren. Was von dem, das ich mir in meiner Jugend erträumt habe, würde ich mir noch heute wünschen? So gesehen brauchen wir wohl jeden Tag einen neuen Anlauf der mit der Frage beginnt, wo wir am Abend ankommen wollen.

AZ: Sie waren immer wieder in Asien unterwegs. Besonders beeindruckt haben Sie wohl die Shaolin-Mönche, weil Sie ihnen ein ganzes Buch gewidmet haben. Was haben Sie von ihnen gelernt?

BM: Die Mönche von Shaolin begleiten mich tatsächlich schon seit meiner frühesten Jugend. Am Anfang hatte es mir natürlich die Kampfkunst des Kung-Fu angetan, die ihre Wiege in dem legendären Kloster hat. Doch je mehr ich mit dieser beschäftigt habe, umso klarer habe ich verstanden, dass das eigentliche Ziel nicht im Kampf sondern vielmehr in seiner Vermeidung liegt. „Ein wahrer Meister“, so habe ich wieder und wieder gehört, „beendet einen Kampf bevor er begonnen hat.“ In den vielen Jahren in Asien habe ich gelernt, dass Veränderung niemals passiert, weil ich auf sie hoffe oder sie mir erträume. Vielmehr geschieht sie alleine dort, wo ich selbst bereit bin, sie mit all meiner Energie herbeizuführen.

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